015 – Die Zeit der Raunächte

von | 1. Dezember 2025

Bald kommt die Zeit der Raunächte und ich möchte Dich gerne einladen – falls es Dich interessieren sollte –
wie Du diese, wie ich finde, sehr besondere „Zeit außerhalb der Zeit“ bewusst gestalten kannst.

Wann und was sind die Raunächte?

Als Raunächte werden die Nächte um den Jahreswechsel bezeichnet.
In den meisten Überlieferungen handelt es sich um die 12 Nächte in der Zeit von 24. Dezember bis 5. Jänner, oft wird auch die Nacht von 5. auf 6. Jänner dazugerechnet.
Die Geschichte der Raunächte ist viele Jahrhunderte alt und es gibt unterschiedliche Überlieferungen darüber, wo und wann sie ihren Ursprung haben, vor allem da das meiste Wissen nur mündlich tradiert wurde. Vermutlich handelt es sich um ein europäisches Brauchtum mit großem keltischen Einfluß, in dem das Sonnenjahr (365 Tage) mit dem Mondjahr (354 Tage) in Einklang gebracht wurde. Zieht man das Mondjahr vom Sonnenjahr ab, bleiben 11 Tage bzw. 12 Nächte übrig.
Diese wurden als die „Zeit außerhalb der Zeit“ bezeichnet.

Die Menschen nutzten diese Zeit, zur Ruhe zu kommen, zu sich zu finden, das alte Jahr loszulassen und dem Neuen den Weg zu bereiten.
Viele der überlieferten Bräuche dienten zur Reinigung und zum Schutz vor den Energien in dieser finsteren Jahreszeit.
Dazu gab es viele Rituale: Höfe und Häuser wurden ausgeräuchert, um böse Geister zu verjagen oder sich vor dunklen Energien zu schützen.
Es wurden nur die notwendigsten Arbeiten verrichtet, um Zeit und Ruhe für sich selbst zu finden und somit auch der Natur zu folgen, die im tiefsten Winter ja auch in scheinbarer Stille bereits die Vorkehrungen für das Frühjahr trifft. So durfte zum Beispiel keine Wäsche gewaschen und aufgehangen werden, da sich darin Geister verfangen könnten. Brot wurde auf Vorrat gebacken – unser vorweihnachtliches Kekse backen stammt sehr wahrscheinlich aus dieser Tradition.
Und es gab die Empfehlung zu fasten und eine spirituelle Zeit zu leben.
Zudem war in dieser Zeit höchste Vorsicht geboten, da der Überlieferung nach die Türen zu Zwischenwelten offenstanden und dadurch dunkle oder unheilige Wesen ihr Unheil treiben konnten. Durch die offenen Türen in die Zwischenwelten konnten sich aber auch Blicke in die Zukunft auftun, woher die Idee stammt, dass die Träume einer bestimmten Raunacht jeweils für ein bestimmtes Monat im zukünftigen Jahr stehen.

Die Zeit zwischen den Jahren diente also dazu, die Tage ganz bewusst zu gestalten, um den besonderen Energien „zwischen den Welten“ zu begegnen, das alte Jahr abzuschließen und sich auf das kommende Jahr einzustimmen.

Ich finde es interessant, dass heutzutage viele Menschen im europäischen Raum genau anders handeln, indem sie besonders in der Weihnachtszeit und um den Jahresbeginn übermäßig ins Außen und in den Genuss gehen.
Solltest Du zu den Menschen gehören, die sich um Weihnachten herum nach mehr Ruhe sehnen, und spüren, dass zu umtriebiges Handeln vielleicht gar nicht so gut tut, könnten diese zwei Wochen eine Möglichkeit für eine bewusste Pause vom Alltag und vom Funktionieren bieten und Dich dazu einladen, das eigene Verhalten zu überdenken und diese Zeit anders zu gestalten.

Die vorbereitenden Nächte – Dunkelnächte und Wintersonnenwende

Vom 8. bis zum 20. Dezember gehen wir durch die Dunkeltage – eine Phase, in der sich vielleicht auch Fragen und Zweifel auftun können:
„Ist das richtig so, wie ich es mache?“, „Bin ich auf dem richtigen Weg?“
Bereits hier kann es interessant sein, auf unsere Gedanken und Träume zu achten. Was zeigt sich in dieser Zeit? Welche Sehnsüchte werden in uns spürbar?

Nach den Dunkeltagen kommt am 21. Dezember – mit der Wintersonnenwende – das Licht zurück. Die Wintersonnenwende (auch Julnacht oder Thomasnacht) ist die längste Nacht des Jahres. Sie markiert einen Wendepunkt – „die Wiedergeburt des Lichts“.
In einigen Überlieferungen beginnen daher die Raunächte bereits mit der Thomasnacht.
Du kannst die Wintersonnenwende und die Tage bis zum 24.12. nutzen, um zu räuchern, das Jahr zu reflektieren und Altes loszulassen.

Wie kannst Du Dich auf die Raunächte vorbereiten?

Für mich persönlich ist es wesentlich, bereits vor den Raunächten für mehr Ruhe in meinem Alltag zu sorgen und bewusst zu „entschleunigen“.
Vielleicht können dazu folgende Punkte oder Themenbereiche für Dich als Vorbereitung hilfreich sein:

Finde Klarheit über Deine Intention:
Was erwartest Du von der Zeit der Raunächte?
Möchtest Du Themen abschließen?
Oder neue Visionen entwickeln?
Oder möchtest Du vielleicht mehr Ruhe in Dein Leben bringen?

Äußere Reinigung und Vorbereitung von Deinem Zuhause – schaffe Raum für Neues:
Aufräumen
Gründliches Reinigen, Putzen
Entsorgen oder Verschenken von Dingen, die Du nicht mehr brauchst

Innere Reinigung:
Mache Dir Notizen darüber, was Du im alten Jahr loslassen möchtest.
Baue kleine Meditations- oder Atemrituale ein.
Stress reduzieren
Termine minimieren
Plane immer wieder bewusste Pausen ein.

Materialien vorbereiten (z.B. für Rituale):
Raunächte-Tagebuch (für Träume, Gedanken und Impulse)
Räucherwerk
Kerzen
Eventuell feuerfeste Schale oder ein Stöfchen
Tarot- oder Orakelkarten (falls Du das möchtest)
Alles, was Du brauchst, um es Dir gemütlich zu machen (Tee, Decken, Polster, wohltuende Bäder, etc.)
Vorbereitung einer Playlist für Lieder, die Du während dieser Zeit gerne hören möchtest
Gerne kannst Du auch Bücher vorbereiten, mit denen Du noch einmal mehr in die Tiefe gehen möchtest.

Plane schöne Abläufe, die Dich nicht unter Druck setzen, sondern sanft strukturieren:
Schaffe bewusst Zeiträume, in denen Du Dich auf Dich selbst oder auf Rituale konzentrieren kannst:
Welche Tage bzw. Zeiten reserviere ich für mich selbst, für die Familie oder auch für die mir wichtigen Menschen?
Welche Rituale möchte ich im Vorfeld aussuchen und vorbereiten?
(z.B. morgens Notizen im Tagebuch machen, Räuchern, Dankbarkeits-Ritual, Abend-Ritual, tägliches meditieren, täglicher Spaziergang etc.)

Schließe alte Themen ab, um das Gefühl von einem „Neubeginn“ für Dich zu stärken:
Offene Angelegenheiten erledigen, wie z.B. Schulden begleichen, Rechnungen bezahlen oder auch versprochene Aufgaben fertigstellen
Unausgesprochenes klären
Ausgeliehenes zurückgeben
Menschen vergeben bzw. wenn möglich innerlich Frieden schließen

Einige Rituale und Bräuche

Haus oder Wohnung räuchern:
Oft verwendetes Räucherwerk sind z.B. Beifuß, weißer Salbei, Drachenblut, Palo Santo, Myrrhe oder auch Weihrauch.
Räuchern ist ein schöner Brauch, der zu den Raunächten dazugehört. Für mich persönlich spielt das Räuchern keine Hauptrolle, mir sind dabei die Gedanken, die innere Ausrichtung und die Intension der Reinigung vom „Alten“, die ich ins Ritual hineinlege, wichtiger als die „perfekte“ Ausführung des Räucherns selbst.
Wie bei allem gilt für mich auch hier: Alles darf, nichts muss.
Sollte Dir das Räuchern gar nicht zusagen, gibt es auch die Möglichkeit Dich den anderen wunderbaren Aspekten der Raunächte zu widmen: Meditation, Innenschau, Rückschau, Raunächte-Tagebuch führen, 13-Wünsche-Ritual, etc.

Aufräumen und Putzen:
Reinigung und Ordnung herstellen, jedoch nicht entrümpeln und ausmisten, da dies laut altem Brauchtum Unglück bringen soll, weil es mit zu anstrengender körperlicher Arbeit verbunden ist.
Es kann also eine gute Zeit sein, sowohl im Außen als natürlich auch digital Ordnung zu schaffen. Hier ein paar Impulse für digitales Aufräumen:
Lesezeichen-Liste des Browser prüfen, Download-Ordner und Desktop sortieren.
Liest Du alle Newsletter in Deinem Postfach? Vielleicht möchtest Du Dich bei einigen abmelden?
Social Media Accounts überprüfen und denen, die keine Freude machen, entfolgen etc.

Im asiatischen Raum gibt es das Ritual in der Morgendämmerung mit einem Besen zu kehren, weil sich die niedrigen Energien in der Nacht am Boden sammeln und somit in der Früh ausgekehrt werden. Ein wunderschöner Gedanke für die Zeit der Raunächte: Ich kehre (oder sauge) das „Alte“ aus und bereite den Raum für den neuen Tag.

Rückschau halten:
Was war gut im alten Jahr und wofür bin ich dankbar?

Meditation und Einkehr

Intentionen für das kommende Jahr setzen

Raunächte-Tagebuch:
Zum Aufgreifen der Idee, dass jede Raunacht für einen bestimmten Monat des Folgejahres steht.
Hier kannst Du Dich täglich fragen: Für welchen Monat steht dieser Tag gerade? Was zeigt sich an diesem Tag? Taucht irgendein Thema auf? Was träumst Du?

Deinem Körper Gutes tun:
Wohltuende Bäder oder Fussbäder, Salzbäder, Peelings, Abbürsten von Kopf und Körper, etc.

Fasten:
Faste, wann immer Du das Gefühl hast, dass es für Dich angebracht ist.
Auch „Weglassen“ ist ein großer Aspekt (z.B. weniger fernsehen, digital detox)

Das 13-Wünsche-Ritual:
Mache Dir eine Liste mit Wünschen, die sich im nächsten Jahr erfüllen sollen und wähle 13 davon aus.
Schreibe Dir diese 13 Wünsche auf jeweils einen Zettel. Diese Zettel werden Dich in den Raunächten begleiten.
Falte die Zettel zusammen, sodass Du den Inhalt nicht mehr lesen kannst und gib sie in ein Gefäß.
(Die Liste kannst du entsorgen oder aufbewahren bis zum nächsten Jahr.)
In jeder Raunacht ziehst Du nun einen Zettel aus dem Gefäß und verbrennst ihn, ohne ihn angeschaut zu haben (mit oder ohne Kräuter wie z.B. Johanniskraut, Beifuß, Rosmarin). Damit übergibst Du den Wunsch an das universelle oder auch höhere Bewusstsein.
Die Asche kannst Du entsorgen oder auch in die Erde geben, wie einen Samen, den Du säst.
Am letzten Tag, also dem 5. Jänner, ist folglich dann noch ein Zettel übrig, den Du öffnest. Um diesen Wunsch darfst Du Dich im kommenden Jahr selbst kümmern.

Regelmäßig in die Natur gehen:
Als Geschenk an Dich selbst, um die tiefste Dunkelheit, Kargheit und die scheinbare Leblosigkeit des Jahres anzunehmen, diese zu beobachten und das Lebendige dahinter zu sehen. Denn mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember ist das Maximum an Dunkelheit überwunden und es wird Tag für Tag heller. Wir können also neugierig beobachten, wie aus der Winterstarre zunehmend neue Aktivität hervorgeht.

Deine „Zeit außerhalb der Zeit“

Gestalte Dir diese besonderen Tage mit Freude genauso, wie es Dir gut tut und nimm Dir gerne aus meinen Anregungen heraus, was Dich anspricht.
Egal, wieviel Zeit Dir zur Verfügung steht: Es gibt immer Möglichkeiten, ganz bewusst „genau Deines“ aus diesen besonderen Tagen zu machen.

Mein persönliches Raunächte-Ritual

Wichtige Reflexionsfragen für mich persönlich sind in den Tagen der Raunächte:
Wie fühle ich mich? Welche inneren Wahrnehmungen und Körperempfindungen sind da? Wohin zieht es mich? Welcher Schmerz ist da? Welche Freude ist da?

Statt des 13-Wünsche-Rituals versuche ich täglich für jedes Monat des Folgejahres im Zuge von morgendlichem Journaling, Singen, Reflexion und Meditation für eine Botschaft oder Erkenntnis offen zu sein: Was wird in diesem Monat für mich wichtig sein? Was ist meine Aufgabe? Was soll ich tun?
Für mich bedeuten diese Fragen etwas anderes als „sich etwas zu wünschen oder etwas zu wollen.“
Manchmal empfange ich auch Symbole, innere Bilder, Farben oder auch Formen.
All das sammle ich in meinem Raunächte-Tagebuch und schreibe es jeweils auf ein Kärtchen.
Die Erkenntnisse des 25.12. stehen für den Monat Jänner, die des 26.12. für den Monat Februar, die des 27.12. für den Monat März, und so weiter.
Am Ende habe ich 12 reingeschriebene Kärtchen, auf denen das jeweilige Monat und all das für dieses Monat Empfangene steht.
So kann ich bereits in den Raunächten Impulse bekommen, in welchen Monaten es vielleicht viel oder schneller wird, in welchen Monaten es schwerer werden kann oder wann die Monate sind, in denen Neues entstehen möchte.
Dieses Ritual hilft mir zu unterscheiden zwischen einem „nur oberflächlichen Wollen“ und einer tieferen inneren Führung.
Auch wenn es viel Vertrauen braucht – innere Führung fühlt sich für mich komplett anders an als „Wollen“.
Die 12 reingeschriebenen Kärtchen gebe ich am 5. Jänner in eine Box.
Am Beginn eines jeden Monats nehme ich dann die entsprechende Karte heraus, um sie wieder zu lesen und mit ihr durchs Monat zu gehen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mich diese Karten sehr gut durch die Zeit tragen.
Denn wenn wir uns bewusst auf die Raunächte einlassen, uns den Themen zuwenden, die da sind, und auch die in der „Zeit zwischen der Zeit“ zur Verfügung stehenden Energien für erweiterte Wahrnehmung nutzen, können wir für das Folgejahr viel Orientierung finden.
Die 12 Botschaften können also wichtig sein, wenn wir das Leben aus einem neuen Bewusstsein heraus gestalten möchten.
Denn nur selten haben wir Zugriff auf eine übergeordnete Ebene – auf eine „heilige“ Zeit – wie die Zeit außerhalb der Zeit.

Abschließende Worte

Sich auf die Energie zwischen den Jahren einzulassen, kann tatsächlich magisch sein.
Raunächte und für Dich stimmige Rituale zu nutzen, sind eine kraftvolle Einladung, die komplette Jahresqualität zu prägen.
Ein wunderbarer Tipp ist auch, sich aus den vergangenenen Raunächten und Erfahrungen ein Jahresthema mitzunehmen, wie zum Beispiel in Deine eigene Größe hineinzuwachsen oder auch Zweifel zu überwinden.
Wie auch immer Du die Zeit außerhalb der Zeit gestaltest, ich wünsche Dir von Herzen viel Freude und Kreativität dabei!

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