
012 – Hier und Jetzt
Inspiriert durch meine Sommerpause und dementsprechend vielen wohltuenden Momenten im Hier und Jetzt, möchte ich gerne diesem – wie ich finde – wichtigen Thema etwas Raum geben.
Im Hier und Jetzt sein
Für mich bedeutet das: Wir sind fokussiert auf den gegenwärtigen Moment, also auf das, was jetzt gerade ist, ohne uns Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft zu machen. Im Erleben und Genießen des Hier und Jetzt sind wir in einer Form der Präsenz, die weder die augenblickliche Erfahrung bewertet noch vergangene Erfahrungen vergleicht. Wir sind verbunden mit uns selbst, können spüren, was gerade in unserem Körper passiert, und es ist uns gewahr, was wir fühlen. Wir sind berührbar und begegnen uns selbst und anderen mit einem offenen Herzen.
Die Herausforderung vom Leben im Hier und Jetzt
Ich denke, zu lernen im Hier und Jetzt zu sein, ist eine Lebensaufgabe. Präsent zu sein fällt uns nicht unbedingt zu.
In unserer Welt gibt es viel Ablenkung und unzählige Möglichkeiten, die uns das schwer machen.
Soziale Medien, Internet & Co bewirken unter anderem, dass die momentane Realität oft nicht mehr interessant genug für uns ist.
Oft hängen wir auch in der Vergangenheit fest, können uns nicht ausreichend regulieren und somit auch nicht im Hier und Jetzt orientieren. Dadurch können wir nicht unterscheiden, wo wir heute sind und worum es jetzt gerade geht, weil wir entweder aus Stress die Zukunft kontrollieren oder planen möchten oder aus der Vergangenheit noch viele Reize präsent sind, auf die wir reagieren.
Zudem fällt es uns oft nicht so leicht – ganz besonders, wenn wir frühkindliche Traumafolgen in uns tragen – sich in diesem Raum des im Moment Seins wohl und sicher zu fühlen, weil durch die Stille Verletzungen und Schmerz aus der Vergangenheit spürbar werden können.
Nicht „einfach mal im Hier und Jetzt sein“ bzw. den Moment genießen zu können oder sich auch in den eigenen Gedanken wie gefangen zu fühlen, kann demnach auch viel mit dem zu tun haben, was wir als Kinder erfahren haben und welche Schutzstrategien wir damals erlernt haben, um Sicherheit zu generieren.
Aus diesen seinerzeit rettenden Schutzstrategien können Muster und Verhaltensweisen entstehen, die uns als Erwachsene z.B. dazu führen, uns mit viel Tun vom Fühlen abzulenken. In so einem Fall gilt es zuallererst diese Schutzstrategien zu würdigen, um danach achtsam einen Prozess zu beginnen, in dem sie behutsam verändert und abgelöst werden dürfen.
Zu versuchen, öfter und intensiver im Hier und Jetzt zu sein, halte ich für sehr wertvoll, denn so können wir Glücksgefühle oder auch Dankbarkeit empfinden, ohne zu vergleichen oder zu bewerten.
Und wie komme ich da hin – ins Hier und Jetzt?
Zentrale Schlüssel können die Beobachtung des Moments und die Wahrnehmung Deines Körpers sein.
Lehne Dich zurück, beobachte und schau was passiert, ohne es zu bewerten und ohne, dass Du etwas bewirken möchtest.
Wenn Du magst, sind hier einige Inspirationen für Dich, die helfen können, das Hier und Jetzt wahrzunehmen:
Was spürst Du in Deinem Körper?
Wo spürst Du vielleicht Anspannung?
Wo und wie kannst Du Deinen Atem wahrnehmen?
Fühlst Du Dich schwer oder leicht?
Welche Temperatur haben Deine Hände oder Füße?
Kannst Du die Schwerkraft spüren?
Welche Geräusche umgeben Dich?
Wohin schweift Dein Blick und trifft er auf etwas, das Dir gut tut anzusehen?
Welche Impulse kommen in Dir auf?
Welche inneren Dialoge laufen in Dir ab?
Wie nimmst Du den aktuellen Moment wahr?
Wofür bist Du in diesem Augenblick dankbar?
Sehr gerne möchte ich diesen Beitrag mit einem Zitat von Siddhartha Gautama beenden:
„Unsere Verabredung mit dem Leben findet im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt ist genau da, wo wir uns gerade befinden.“
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